Käthe Sasso
Widerstandskämpferin

Käthe Sasso mit ihrer Großmutter
Käthe Sasso wurde am 18. März 1926. in Wien geboren als Käthe Smudits. Bereits nach einer Woche übersiedelte sie nach Nebersdorf, wo sie bei ihrer burgenlandkroatischen Großmutter – ihrer Majka – aufgewachsen ist. Die Volksschule besuchte sie dann in Wien. Ihre Eltern Agnes und Johann waren beide politisch engagiert, sowohl gegen den Ständestaat als auch gegen den Nationalsozialismus. Entsprechend ihrer politischen Überzeugung schlossen sich ihre Eltern dem kommunistischen Widerstand gegen das NS-Regime an; den Käthe als junges Mädchen ab 1941 gleichfalls aktiv unterstützte. Sie sammelte Gelder für die Familien Inhaftierter, beteiligte sich an der Herstellung von kommunistischem Propagandamaterial.

Käthe Sasso und ihre Eltern Agnes und Johann
Nachdem der Vater zur Wehrmacht eingezogen und die Mutter im Juli 1941 nach schwerer Krankheit verstorben war, beteiligte sich das junge Mädchen an der Widerstandsgruppe Gustav Adolf Neustadl. Die Gruppe unterstützte Witwen hingerichteter Widerstandskämpfer mit Lebensmitteln, förderte das Hören ausländischer Radiosender und verteilte Flugblätter gegen den Nationalsozialismus. Wichtige Mitglieder der Gruppe waren Emilie Tolnay, Therese Dworak, Maria Sip, Rosalia Graf und deren Ehemann Johann Graf sowie das Ehepaar Gaida. Sie alle wurden schließlich wegen Hochverrats verurteilt und hingerichtet. Schon als Schulkind hatte sie den Hinauswurf ihrer jüdischen Mitschülerinnen hinterfragt und sich bei der Nazi-Lehrerin unbeliebt gemacht.
Während des Zweiten Weltkriegs drang der Gestapospitzel Alois Larva in die Reihen der kommunistischen Bezirksorganisation Favoriten ein und denunzierte zahlreiche Mitglieder, darunter auch Sasso. Im Alter von 16 Jahren wurde sie am 21. August 1942 von der Gestapo inhaftiert. Es folgte die Haft zuerst im Haus der Gestapo am Morzinplatz, später dann im Polizeigefangenhaus "Elisabethpromenade" (so die damalige Straßenbezeichnung, heute Rossauer Lände 7-9) und der Schiffamtsgasse. Von dort wurde sie ins Gefängnis im Landesgericht überstellt, wo sie mit noch während ihrer Haftzeit dort hingerichteten Frauen wie beispielsweise Annie Gräf Freundschaft schloss.
Die von Käthe dort unmittelbar miterlebte Unmenschlichkeit der NS-Justiz die allein in Österreich rund 1.200 unschuldige Menschen mit dem Fallbeil hinrichten ließ prägten ganz wesentlich ihr Engagement in der Zeit der Zweiten Republik. Schon in ersten Aufzeichnungen nach 1945 beschrieb sie eindringlich diese Erlebnisse und die Schicksale ihrer hingerichteten Haftgefährtinnen. Als einzige aus ihrer Widerstandsgruppe entging sie der Hinrichtung. Offensichtlich rettete ihr jugendliches Alter, sie war damals 16-17 Jahre alt, retteten ihr offensichtlich das Leben.

Käthe Sasso mit 16 Jahren
Sie selbst wurde vom 8. Senat des Oberlandesgerichts Wien am 21. April 1944 zu 18 Monaten Jugendgefängnis verurteilt. Nach einem Zwischenaufenthalt im Jugenderziehungslager Oberlanzendorf wurde sie im September 1944 nach Berlin und am 11. September 1944 ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück überstellt, wo sie gemeinsam mit ehemaligen weiblichen Reichstagsabgeordneten eingeliefert wurde, die man nach dem Anschlag auf Hitler am 20. Juli 1944 festgenommen hatte. Am 28. April 1945 musste sie den Todesmarsch Richtung KZ Bergen-Belsen antreten. Eine Gedenkwebsite berichtet: „In der ersten Nacht des Todesmarsches, nahe Wustrow, gelingt [ihr] gemeinsam mit ihrer Freundin Mizzi Bosch die Flucht aus der Gruppe und anschließend die Rückkehr nach Wien.“ Diese erfolgte mit Unterstützung sowjetischer Truppen.
In Wien wurde Käthe Sasso gleich einmal aus einer Straßenbahn hinausgeworfen, weil sie als KZ-Heimkehrerin natürlich keinen Fahrschein hatte.
Nach der Befreiung durch die Alliierten blieb sie in Wien und heiratete Josef Sasso, wie sie Widerstandskämpfer. Die beiden bekamen drei Kinder und übersiedelten nach Winzendorf in Niederösterreich, wo Josef Sasso eine Spenglerwerkstatt betrieb. Ab den 1990er Jahren stellte sich Sasso als Zeitzeugin zur Verfügung.

Käthe Sasso beim Vortrag im Schloß Nebersdorf im Jahr 2014.foto: Kristijan Karall
Am 5. Mai 2008 und am 27. Jänner 2013 sprach sie im Rahmen von Gedenkkundgebungen am Wiener Heldenplatz, 2013 im Rahmen des Holocaust-Gedenkens der Netzwerkplattform Jetzt Zeichen setzen!. Sie kämpfte unermüdlich für die Anerkennung der Widerstandskämpfer*innen der "Gruppe 40", was 2015 in der Enthüllung einer Gedenktafel am Wiener Zentralfriedhof mündete. Für ihr Engagement auch als Zeitzeugin erhielt sie Am 17. Dezember 2002 das "Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich" verliehen und 2016 wurde Sasso für ihren Einsatz für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, für Friede und Demokratie mit dem Berufstitel Professorin ausgezeichnet.

Käthe Sasso in der Kuga im Jahr 2018.
Im Dezember 2023 erhielt sie von den sozialdemokratischen Bildungsorganisationen Österreichs SPÖ Bildung den 2. Marie-Jahoda-Preis für herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse. „Als österreichische Widerstandskämpferin trotzte Käthe Sasso schon als junge Frau dem Terror und der Gewalt der Nationalsozialisten. Bis heute kämpft sie gegen das Vergessen. Ihre antifaschistische Unbeugsamkeit und ihr tiefer Humanismus sind bis heute ein leuchtendes Beispiel und Vorbild“, so Doris Bures. „Käthe Sassos Lebenswerk ist ein inspirierendes Beispiel dafür, wie eine einzelne Person durch ihre Taten und ihre Stimme einen bedeutenden Beitrag zur Gestaltung einer besseren Welt leisten kann. Ihre Geschichte erinnert uns daran, dass die Vergangenheit nicht vergessen werden darf und dass wir alle die Verantwortung haben, uns gegen Ungerechtigkeit und Intoleranz zu stellen“, ergänzt Gerhard Schmid.

Interview mit Käthe Sasso im Jahr 2018.foto: Peter Wagner